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Lebenskreislauf der Pilze

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Lebenskreislauf der Pilze

Lebenskreislauf der Pilze

Eine erste Übersicht

Pilze stellen eine mysteriöse Lebensform auf unserem Planeten dar. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass ihr Lebenskreislauf einzigartig ist. Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, sie stellen ein eigenes Reich in der Domäne der Eukaryoten dar (siehe Galerie).

1. Einleitung

Egal ob Plizenthusiast oder Hobbyzüchter, ein grundlegendes Verständnis über den Lebenskreislauf der Pilze ist essenziell. Dies hilft Ihnen nicht nur in der Natur beim Sammeln der Fruchtkörper, sondern auch beim Anbau und Ernten der gezüchteten Fruchtkörper aus einem Gourmetpilz-Kit. Sie lernen die Bedürfnisse des Pilzes in verschiedenen Stadien des Lebenskreislaufes kennen.Dadurch lässt sich das bestmögliche Ergebnis bei der Ernte oder dem Sammeln erzielen.


Dieser Artikel soll eine vereinfachte, aber dennoch detaillierte Erläuterung über den Lebenskreislauf der Pilze liefern.

2. Begriffsklärung

Bevor wir den Lebenskreislauf näher betrachten, ist es zunächst wichtig zwischen den Begrifflichkeiten "Pilz" und "Fruchtkörper" zu differenzieren. In der deutschen Sprache wird gerne der Fruchtkörper als Pilz bezeichnet.

Der Fruchtkörper ist lediglich der oberirdische, sichtbare Teil des eigentlichen gesamtem Pilzorganismuses.

Zum Vergleich wird in der englischen Sprache "mushroom" als Fruchtkörper und "fungus" als Pilzorgansimus bezeichnet.

3. Lebenskreislauf

Der folgende Kreislauf begrenzt sich auf die wesentlichen Schritte, welche selbst widerum in viele Teilschritte unterteilt werden können.


   3.1 Freisetzung der Sporen

Pilzsporen sind mikroskopisch kleine Einheiten. Ein Fruchtkörper kann dabei mehrere Millionen Sporen freisetzten. Die Sporen werden durch Wind, Wasser oder andere Lebewesen transportiert, bis sich diese auf einer Oberfläche mit günstigen Bedingungen absetzten und dort anfangen zu keimen. Der Fruchtkörper, welcher die Sporen freigesetzt hat, hat seinen Zweck erfüllt und fängt an, sich zu zersetzten. Somit können die Sporen sowohl für den Beginn als auch für das Ende des Kreislaufes angesehen werden.



   3.2 Sporenkeimung & Hyphenbildung

Sporen bilden anfänglich eine sogenannte Keimhyphe aus. Diese differenziert und entwickelt sich zu einem primären Hyphengeflecht. Hyphen sind Strukturen, welcher der Pilz zur Nährstoffaufnahme sowie zur Ausbreitung verwendet. Es sind lange, dünne und fadenartige Strukturen, welche sich durch das Substrat ziehen. Sie setzen Verdauungsenzyme frei, welche das Substrat zersetzen, um die darin enthaltenen Nährstoffe aufzunehmen und dadurch weiter wachsen zu können.


   3.3 Myzelbildung & Ausbreitung

Kompatible primäre Hyphengefelechte fusionieren durch eine sogenannte "Plasmogamie". Das daraus resultierende Geflecht wird Myzel genannt. Das Myzel durchwächst das Substrat, auf welchem es sich befindet und ist nun auch für uns durch sein weißes Erscheinungsbild besser sichtbar. Im weitesten Sinne und vereinfacht dargestellt, ist das Myzel des Pilzes wie die Wurzeln der Pflanze. Die Gesamtheit aller ausgebildeten Hyphen wird somit Myzel bezeichnet und stellt den eigentlichen Organismus – den Pilz – dar.

3.4 Knotenbildung bei den Hyphen

Nun ist eine Reihe von günstigen Umweltfaktoren (Nährstoffangebot, Luftfeuchtigkeit, CO2-Konzentration, Temperatur) notwendig, um die Fruchtkörperbildung über eine Knotenbildung im Myzel einzuleiten.


3.5 Primordiumbildung

Aus dieser Knotenbildung kann sich unter weiteren günstigen Umweltfaktoren ein sogenanntes Primordium (Fruchtkörperansatz) entwickeln.


3.6 Fruchtkörperbildung

Durch weiteres Wachstum entwickelt sich nach und nach ein Pilzfruchtkörper.

3.7 Fruchtkörperreifung

Ist dieser im optimalen Reifezustand, setzt der Fruchtkörper erneut Sporen frei und der Kreislauf beginnt von vorne.


4. Dauer eines Lebenskreislaufes

Seitlinge (Pleurotus spp.) gehören zu den schnell wachsenden Arten und können innerhalb 3 bis 4 Wochen ihr Substrat durchwachsen und Fruchtkörper ausbilden.

Shiitake (Lentinula edodes) gehört beispielsweise zu den langsam wachsenden Arten und benötigt für gewöhnlich 4-6 Monate, um das Substrat zu besiedeln, zu reifen und anschließend Fruchtkörper auszubilden.

Trüffel (Tuber spp.) können von der Sporenkeimung bis zur Fruchtkörperbildung Jahrzehnte benötigen.

5. Lebenskreislauf am Beispiel der Seitlinge (Pleurotus spp.)

Wir bei Pilzfink® haben alle Prozessschritte selbst in der Hand. Angefangen von der Kulturerhaltung über die Herstellung des Pilzbrutmaterials bis hin zu Ihrem Gourmetpilz-Kit.

Dabei stellen wir das Pilzbrutmaterial (Roggenkörnerbrut) selbst her. Hier befindet sich der Pilz im Myzelstadium und hat noch kein Fruchtkörperansatz gebildet. Mit dem Brutmaterial wird dann das Stroh sowie das Holz beimpft (inokuliert). Wir bieten somit dem Myzel ein Substrat, durch welches es wachsen kann und Nährstoffe aus diesem aufnehmen kann.

Ist das Substrat komplett besiedelt, kann es verpackt und versendet werden. Wird das Substrat von Ihnen mit einem Messer angeschnitten und mit frischem Wasser besprüht, initiieren Sie die Knoten- und Fruchtkörperbildung. Damit das Substrat nicht austrocknet, ist es sehr wichtig, dieses feucht zu halten.

Fangen Seitlinge an zu fruchten, bilden diese für gewöhnliche eine Traube. Das Ende des Lebenskreislaufes der Seitlinge und damit der ideale Zeitpunkt für die Ernte lässt sich an deren Hüten erkennen. Diese fangen an am Rand flach zu werden oder sich sogar nach oben zu wölben. Ein weiteres Merkmal für den Erntezeitpunkt ist die Freisetzung der Sporen (siehe Einleitung).

6. Zusammenfassung

Der Lebenskreislauf der Pilze ist einzigartig und bei näherer Betrachtung sehr komplex. Er unterscheidet sich vom Kreislauf der Tiere oder Pflanzen und ist dadurch am Anfang eventuell etwas verwirrend. Mit der vereinfachten Darstellung des Lebenskreislaufes sind die Grundlagen gut zu verstehen.

Durch unsere Gourmetpilz-Kits können Sie selbst einen Eindruck vom Lebenskreislauf der Pilze gewinnen.

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